Brandanschlag in der Sylversternacht auf DITIB-Nord Zentrumsmoschee in Hamburg

In der Nacht zum Neujahr kurz nach Sylvester wurden durch drei Angreifer mehrere Brandsätze auf das Gebäude der DITIB-Nord Zentrumsmoschee in Hamburg-Hamm geworfen. Auf dem Gelände befinden sich auch die Geschäftsräume von DITIB-Nord, der Landesverbände für Hamburg und Schleswig-Holstein, sowie der Sitz vom Attaché für religiöse Angelegenheiten der Türkei.

Es entstand Sachschaden. Das nichts schlimmeres passierte oder gar Menschen zu Schaden kamen, ist lediglich der Tatsache geschuldet, dass der Imam der Moschee den Angriff frühzeitig entdeckte und die in Eile geworfenen Brandsätze nicht gleich zündeten. Ein Brandsatz wurde zurückgelassen.
Der Vorfall reiht sich in eine Reihe von Übergriffen und Drohungen in den letzten Jahren ein. Zuletzt wurde 2008 ein Brand auf dem Gelände der DITIB-Nord Zentrumsmoschee gelegt, wobei ebenfalls Sachschaden entstanden war.

 

 

In den letzten Monaten häuften sich Drohungen gegen Moscheen oder Vertreter von Muslimen in Deutschland. Unter Anderen erhielt die DITIB-Nord Moschee in Hamburg-Barmbek eine dubiose DVD, welche laut Sicherheitsbehörden von der „Zwickauer Terrorzelle“ stammte. Die Verunsicherung bei Migranten mit türkischem und muslimischem Hintergrund, welche sich nach den Enthüllungen um diese rechtsradikale Terrorzelle einstellte wurde nicht zuletzt durch Drohungen  in den letzten Wochen verstärkt.

Dr. Zekeriya Altu?, der Vorsitzende von DITIB-Nord sagte zu den Vorkommnissen:
„Wir verurteilen die Anschläge aufs schärfste und hoffen, dass diese Fälle mit dem nötigen Nachdruck bearbeitet werden. Die Sicherheitsbehörden haben den Vorfall aufgenommen und zeigten sich alarmiert. Es wurde versichert, alles für eine zügige Aufklärung zu tun. Im Moment könne man jedoch noch nichts Konkretes zu den Hintergründen sagen. Es werde in alle Richtungen ermittelt.
Wir als Muslime in Deutschland sind zutiefst betroffen über jede Form der Gewalt, egal aus welcher Ecke sie kommen und welcher Motivation sie folgen, insbesondere sind wir jedoch betroffen wenn die Religion dafür missbraucht wird. Wir lehnen es ab, Gewalt über die Erhabenheit der eigenen oder die Abneigung einer anderen Religiösität zu legitimieren und distanzieren uns entschieden von Gewalt jeglicher Art, egal ob es sich gegen Kirchen wir zuletzt in Nigeria oder Ägypten richtet, oder gegen Moscheen wie in Deutschland. DITIB-Nord hat seine Positionen diesbezügliche durch mehrere Pressemitteilungen mitgeteilt. Ebenso haben wir die konsequente Verurteilung der rechtsextremen Gewalt und der „Zwickauer Terrorzelle“ durch führende deutsche Politiker, allen voran unserem Bundespräsidenten zur Kenntnis genommen. Es sind wichtige Signale gegen Hass und Ausgrenzung, für Toleranz und Gemeinsamkeit. Gleichzeitig fordern wir aber einen neuen Diskurs in der deutschen Gesellschaft. Der Alltagsrassismus, welche sich früher über Ausländerfeindlichkeit definierte und die „Türken“ in den Fokus der Ausgrenzung und des Hasses setzte definiert sich heute über die Islamfeindlichkeit unter dem Deckmantel der Islamkritik. Die Salonfähigkeit Islamfeindlicher Aussagen und die Wahrnehmung des Islam als eine potentielle Gefahr in der öffentlichen Wahrnehmung ermöglichen erst die Gewalt gegenüber Muslimen oder Migranten und ihre Institutionen.“

In der Hoffnung, dass dieses erschreckende Ereignis das Einzige in 2012 bleiben möge, erbitten wir von Allah ein friedvolles und besinnliches Jahr.

DITIB-Nord:   Der Vorstand