DITIB begeht Ramadan mit zahlreichen Gästen

Motto: „Lasst uns Herzen versöhnen – im Ramadan und jederzeit!“

Die Türkisch-Islamische Union (DITIB) hat am Abend des 24. Juni 2016 neben Staatsministerin Aydan Özoğuz, Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens Hannelore Kraft und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zahlreiche Gäste aus Religion, Gesellschaft, Politik und Medien in den Konferenzsaal des Neubaus der Kölner Zentralmoschee zum traditionellen Iftar-Essen geladen.

  • Ministerpräsidentin Kraft und Staatsministerin Özoğuz werden zum Baufortschritt informiert
  • Ministerpräsidentin Kraft und Staatsministerin Özoğuz besuchen den Saal, wo u. a. auch Flüchtlingen das
    Mahl zum Iftar dargeboten wird

Im Vorfeld der Veranstaltung hatten Staatsministerin Aydan Özoğuz und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Gelegenheit, den großen Saal neben der Zentralmoschee zu besichtigen, wo der DITIB Bundesverband der muslimischen Tradition folgend, allabendlich hunderte Flüchtlinge, Nachbarn, Bedürftige, Reisende und alle, die an der Gemeinschaft teilhaben wollen, zum gemeinsamen Iftar-Essen einlädt - dies vom ersten bis zum letzten Tag des Ramadan für über 1000 Menschen.

Ebenso hatten die Ministerpräsidentin und Staatsministerin Gelegenheit, den Stand des Innenausbaus der neuen Moschee zu besichtigen. Sie zeigten sich begeistert vom Konzept der Innengestaltung des Moscheeraums und der Ladenzeile, welche klassische Elemente mit dem modernen Stil der Moschee verbinden. Der kurze Rundgang durch die neu eingerichtete wissenschaftliche Bibliothek, die bereits eingerichtet ist und bald eröffnet wird, regte zu einem kurzen Austausch über theologische Fragen.
Prof. Dr. Nevzat Aşıkoğlu, Vorstandsvorsitzender des DITIB-Bundesverbandes, begrüßte anschließend beim feierlichen Ramadan-Empfang für fast 300 geladene Gäste, welches ebenfalls eine liebgewonnene Tradition darstellt und verschiedene Teile der Gesellschaft zusammenbringt.

Der offizielle Teil des Abends wurde im Konferenzsaal mit einer feierlichen Koranrezitation eröffnet. In seiner Begrüßungsrede als Gastgeber wies Prof. Dr. Aşıkoğlu auf das diesjährige Motto „Lasst uns Herzen versöhnen – Im Ramadan und jederzeit“ hin. Er nahm seine Rede auch zum Anlass, die aktuell angespannte öffentliche Situation zu thematisieren. Er sagte: „In einer Demokratie obliegt es zivilen und religiösen Organisationen, darauf hinzuweisen und entgegen zu wirken.“ Weiterhin stellte der Bundesvorsitzende fest: „In einer Demokratie muss man nicht alle Entscheidungen, wie etwa die Armenier-Resolution, gutheißen, man darf sie prüfen und auf Mängel hinweisen.“ und betonte

„Gerade davon lebt unsere Demokratie!“ . Er stellte fest, dass „diese Entscheidung viele türkischstämmige Menschen verletzt, sie stigmatisiert und einen Keil in die Gesellschaft getrieben hat.“ Dabei betonte er die Meinungs- und Religionsfreiheit in einer Demokratie. Hass und Gewaltaufruf seien stets abzulehnen und zu verurteilen, stellte Prof. Aşıkoğlu klar. ( [PDF-Dosyası]  Redetext)

Weiterhin stellte er die Angebote der DITIB vor und hob die Bedeutung der Zusammenarbeit auch mit mehreren Ministerien und den anderen Religionsgemeinschaften hervor. Als Beispiel nannte Prof. Aşıkoğlu das gemeinsame Flüchtlingshilfeprojekt von DITIB und weiteren vier muslimischen Religionsgemeinschaften in Kooperation mit drei Bundesministerien.

Frau Kraft, Ministerpräsidentin des Landes NRW, erinnerte in ihrer Rede an die Tugenden und Werte, die alle für das Gemeinsame brauchen und die allzu oft in Vergessenheit gerieten. Vor allem im Hinblick auf aktuelle Konflikte, sei es wichtig, in Gegenwart und Zukunft ein friedvolles Miteinander in Respekt und Freundschaft zu pflegen. Sie betonte, dass alle Menschen die hier leben, wie auch alle in diesem Raum Nordrhein-Westfalen seien.

Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Frau Aydan Özoğuz, ging in ihrer Rede auf die Spannungen der letzten Tage ein und betonte ihren Unmut über das Ausmaß der Hetze sowie der Anfeindungen gegen türkischstämmige Abgeordnete. Sie hob hervor, wie wichtig dieser Schritt der DITIB sei, um wieder zu versöhnen und eine Versachlichung der Debatte zu ermöglichen. Weiterhin betonte Frau Özoğuz, dass man sich auf große gemeinsame Ziele wie die Flüchtlingshilfe konzentrieren müsse und zeigte sich erfreut über das Engagement und auch die gute Zusammenarbeit mit DITIB.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker ging in ihrer Grußrede auf die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Köln ein und betonte, dass man auch in Zukunft in Köln auf den Dialog und ein gemeinsames Miteinander setzten wolle. Dafür gebe es in Köln viele Plattformen wie den Rat der Religionen, bei dem auch spannungsgeladene Themen diskutiert werden können. Wichtig sei, dass man trotz Meinungsverschiedenheiten zusammensteht gegen alle diejenigen, die Hass und Gewalt säen wollen.

Im Namen der griechisch-orthodoxen Metropolie überbrachte Priester Gregorius Sorovakos im Namen seines Metropoliten die Grüße zum Ramadan. Er hob die Bedeutung des Fastens im Christentum wie auch im Islam hervor und sagte, dass gerade diese Zeit eine gute Gelegenheit zur Versöhnung biete, wie das diesjährige Motto des DITIB für den Ramadan auch vorgibt.

Im Namen der Deutschen Bischofskonferenz wies Herr Ulrich Pöner, Leiter des Bereiches “Weltkirche und Migration”, darauf hin, dass Frieden im Mittelpunkt stehe. Fasten habe auch etwas mit Frieden zu tun. So dürften die Unruhen im Mittleren Osten nicht bei uns ihren Niederschlag finden.

Gerhard Duncker, Kirchenrat und Vertreter der Evangelischen Kirche in Westfalen schloss sich den Worten seiner Vorredner an und wünschten allen Muslimen weiterhin einen gesegneten Ramadan und ein friedliches Ramadan-Fest.

Frau Dr. Gesa Biffio, Vorstandsvorsitzende der Jüdischen-Liberalen Gemeinde Köln ging auf die Wichtigkeit der Einladung zum Fastenbrechen und die Bedeutung des Dialoges ein, der damit ermöglicht werde.

Gerahmt war das Programm durch eine musikalische Darbietung des DITIB-Sufimusik-Ensemble „Aşk-ı Segah“ und das gemeinschaftliche Iftar-Essen. Diese jahrelange Tradition fand dieses Jahr bereits zum vierten Mal im Konferenzsaal der Zentralmoschee statt und wurde von großem medialem Interesse begleitet. Zum Schluss der Veranstaltung hieß es im gemeinschaftlichen Tischgebet: „Schenke allen Menschen Frieden und Gerechtigkeit“.

Im Anschluss an das gemeinsame Essen konnten die Gäste die Einkaufszeile besuchen und sich einen ersten Eindruck verschaffen.