Eine Mahnung gegen das Vergessen: Zum 21. Jahrestag der Brandanschläge von Mölln

Am 23. November 1992 wurden in Mölln zwei Häuser von türkischen Mitbürgern von Rechtsradikalen angezündet. Während aus dem Haus in der Ratzeburger Strasse sich die 32 Insassen zum Teil mit schweren Verletzungen retten können, fallen in dem kurz darauf in der Mühlenstrasse von den gleichen Jugendlichen angezündeten Haus der Familie Arslan drei Menschen, die 51 jährige Bahide Arslan, ihre Enkelin die 7 jährige Yeliz Arslan und ihre Nichte die 14 jährige Ayşe Yılmaz in den Flammen ums leben.

Zum Jahrestag der Anschläge versammelten sich Möllner, wie auch Gäste aus den umliegenden Städten, um ein Zeichen gegen das Vergessen und gegen eine Wiederholung der Geschichte zu setzen. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der St. Nicolai-Kirche, bei dem auch der Imam der DITIB Gemeinde vor Ort Herr Ercan aus dem Koran rezitierte und ein Gebet für die Opfer sprach wurde am Brandhaus in der Mühlenstrase, welches als Bahide Arslan Haus benannt wurde, eine Schweigeminute abgehalten. Die Stadt Mölln hat vor dem zweiten Brandhaus in der Ratzeburgerstrasse ein Mahnmahl in Form eines Gedenksteines aufgestellt, welches von Bürgermeister Jan Wiegel feierlich eingeweiht wurde. Beim anschließenden offiziellen Teil der Gedenkveranstaltung hatten Vertreter der Familie Arslan gelegenheit zu sprechen. Herr Faruk Arslan bedankte sich für die große Anteilnahme der Möllner und bat darum, eine oder mehrere Straßennamen nach den Opfern Bahide Arslan, Yeliz Arslan oder Ayşe Yılmaz zu benennen. "So etwas darf nie wieder passieren, nie wieder darf die Gesellschaft zulassen, dass Menschen aufgrund ihrer nationalität oder religiösität diskriminiert werden oder gar Opfer von Gewalt." war die gemeinsame Meinung aller Redner, an diesem Abend. Der türkische Generalkonsul ging in seiner Rede darauf ein, dass auch über zwanzig Jahre nach den Brandanschlägen in Mölln und Solingen der Rassismus in Deutschland salonfähig sein kann. Der DITIB-Nord Vorsitzende Dr. Zekeriya Altuğ, welcher im Namen der türkischen Bürgerinnen und Bürger eine Ansprache hielt, mahnte dazu, aus der Geschichte zu lernen, damit sich solche dunklen Kapitel der Geschichte nicht wiederholen können. Ebenso bemerkte Dr. Altuğ, dass auch heute Ressentiments gegenüber Migranten zum Alltag gehören: "...Lediglich dei Legitimierung der Diskriminierung hat sich geändert, die Qualität ist die Gleiche!". Weiterhin betonte Dr. Altuğ, dass DITIB-Nord sich der Bitte der Familie Arslan nach Benennung von Straßennahmen nach den Opfern anschließe. Der Bürgermeister von Mölln Jan Wiegel konnte dann auch bei seiner Rede mitteilen, dass es hierfür einen Beschluss der Stadt Mölln gebe und das dies bald umgesetzt werde. Ebenso versicherte Bürgermeister Wiegel, dass die Stadt Mölln alles tun werde, um die Erinnerung wach zu halten. Weiterhin müsse aber die Gesellschaft eine Atmosphäre der Deeskalation schaffen und Zuwanderung und Menschen mit anderen Wurzeln als eine Bereicherung so akzeptieren wie sie sind, so Herr Wiegel weiter.

Der Gedenkveranstaltung wohnten neben einigen Bundestagsabgeordneten, mehreren Vertreter der Stadt Mölln, von Kirchen, Islamischer Religionsgemeinschaften sowie Vertreter von zivilen Organisationen, unter denen zahlreiche türkischstämmige sind, auch mehrere Attachees des türkischen Generalkonsulats.