Fachtagung des BMI zur Muslimfeindlichkeit

Am 4. und 5. Dezember 2012 fand in Berlin die Fachtagung "Muslimfeindlichkeit – Phänomen und Gegenstrategien" der Deutschen Islamkonferenz unter der Leitung des Bundesministeriums des Innern statt. Bei der zweitägigen Tagung trafen sich Experten aus Wissenschaft,  sowie Vertreter von Muslimen und interessierte, um sich über Ursachen und mögliche Gegenmaßnahmen der Isalm und Muslimfeindlichkeit auszutauschen. In seiner Eröffnungsrede geißelte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Klaus-Dieter Fritsche "Hasspropaganda und Hasskriminalität".  "Religiöse Bindungen sind grundsätzlich positiv wirkende Faktoren in unserer Gesellschaft" betonte er. Dr. Zekeriya Altu?, der im Namen der DITIB eine ausführliche Eröffnungsrede hielt, betonte, dass Muslimfeindlichkeit den gleichen Mustern folge, wie Rassismus gegen andere Minderheiten. Ferner betonte er, dass die Islamfeindlichkeit nicht nur in der MItte der Gesellschaft angekommen sei, sondern vielmehr sich aus dem Alltagsrassismus, der Islamophobie und den Ressentiments, die weite Verbreitung und Zustimmung in der Gesellschaft finden nährt. Muslimen werde  eine pauschale Täterrolle zugesprochen, die verheerende Folgen haben könne wie der Fall Merwa el Scherbini oder die NSU Terrorserie gezeigt habe.

Dr. Altuğ betonte, dass auch politische Entscheidungen, wie das Kopftuchverbot für Lehrerinnen in einigen Bundesländern oder gar das Beschneigungsurteil des Kölner Landgerichts die Islamfeindlichkeit befeuerten und Muslime unter Generalverdacht stellen. Insbesondere das Kopftuchverbot sei für muslimische Frauen in zweierlei Weise diskrimnierend. Zum einen, weil es eine Signalwirkung für alle Arbeitgeber entfalte, muslimischen Frauen gegenüber reservierter zu sein und so den Berufseinstieg junger Frauen mit Kopftuch unmöglich mache. Zum zweiten spreche dieses Verbot den Frauen das Recht ab, positive Beispiele sein zu dürfen und dämonisiere gläubige Muslime in den Augen der Gesellschaft. Daher forderte Dr. Altu? ein Ende des Kopftuchverbotes in allen Bundesländern. Weiterhin kritisierte Dr. Altu? eine Kulturhirarchische Haltung im Umgang mit dem Islam und den Muslimen und forderte die Gleichstellung des Islam und der Muslime mit den Christlichen Religionsgemeinschaften wie zuletzt in Hamburg durch den Staatsvertrag unter Anderem mit der DITIB geschehen.

Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Religionsfreiheit, Prof. Dr. Heiner Bielefeldt ging in seinem Vortrag auf die Rede von Dr. Altu? ein und betonte, dass insbesondere die Beschneidungsdebatte besonders schrill und übel geführt wurde.Die religiöse Diskriminierung von Muslimen sei auch Ausdruck eines "aggressiven Säkularismus", der in der jüngsten Debatte schärfer und ausgrenzender zutage getreten sei, als er es jemals vermutet habe, sagte Bielefeld.  Ein entsprechendes Gesetz, wie es die Bundesregierung nun auf den Weg gebracht hat, reiche nicht aus, um die Vorbehalte gegen Muslime abzubauenö welche durch diese Debatte ausgelöst wurden. Weiterhin betonte Prof. Bielefeld, dass immer dann von antimuslimischem Rassismus gesprochen werden kann, wenn von "den Muslimen" gesprochen werde und das Individuum nicht mehr wahrgenommen werde. Gleichzeitig warnte er jedoch davor, den Begriff des Rassismus inflationär zu benutzen. Von den Medien forderte Prof. Bielefeld ein faires Bild von Muslimen zu zeichnen.

Prof. Andreas Zick zeigte anhand diverser Studien, dass Deutschland im Internationalen Vergleich die höchste Rate bei der Islamfeindlichkeit habe. Weiterhin verdeutlichte er, dass insbesondere in Regionen mit weniger oder verschwindend geringem Anteil an Muslimen die Islam- und Muslimfeindlichkeit weit höher ist, als in Regionen mit einem hohen muslimischen Anteil. Dies sei ein wichtiges Indiz dafür, dass nicht der Islam oder die Muslime selbst, bzw. ihre Handlungen Ursache für Vorurteile und Anfeindungen seien. Die Ursachen müssten in der Mehrheitsgesellschaft selbst gesucht werden, wie auch die Lösung.

Dazu ging Dr. Naime Çakır aus Frankfurt ein und folgerte in ihrem Beitrag, dass Islamfeindlichkeit keine Frage der religiösen Auseinandersetzung sei, sondern ein Machtkampf um Ressourcen und Privilegien. Entsprechend stellte die Moderatorin Cornelia Spohn, däe durch die beiden Tage die Veranstaltung geleitet hatte fest, dass auch dasKopftuch für die Deutsche Gesellschaft kein Problem war, solange es von "Putzfrauen" getragen wurde, die nicht als Gefahr für die eigenen Privilegien wahrgenommen wurden, dieses jedoch sich dann geändert habe, als gut ausgebildete junge Musliminnen in den Arbeitsmarkt drängen und gute Jobs streitig machen.

Im Rahmen der Tagung wurden Modellprojekte als best practice Beispiele vorgestellt, um Anregungen für weitere Schritte zu geben, gegen Islamfeindlichkeit vorzugehen.

>> zur vollständigen Rede von Dr. Zekeriya Altuğ

Ihr DITIB-Nord Team

05.12.2012