Gedenken zum 20. Jahrestag der Anschläge in Mölln

Mit einem offiziellen Gedenkgottesdienst in der Möllner Moschee gedenken heute die Familie Aslan, die Stadt Mölln, aber auch viele zugereiste Gäste aus ganz Deutschland den rechtsextremen Brandanschlägen vom 23. November 1992, bei dem drei türkische Bürger der Stadt in dem Feuer umkamen.

 

Neben den Familienangehörigen der Opfer, werden Gäste aus Politik und Gesellschaft sowie die türkisch muslimische Gemeinde in der DITIB Moschee vor Ort Gebete für die Großmutter und ihre beiden zehn und vierzehn Jahre alten Enkeltöchter sprechen, die bei dem feigen Anschlag ihr Leben verloren haben. Wie vor zwanzig Jahren, so sitzt auch heute unsere Trauer tief. Unser Beileid gilt der Familie, unsere Gedanken und Gebete den Opfern.

 

Der Möllner Anschlag war der Erste seiner Art in der Bundesrepublik und hat ganz Deutschland schockiert. Noch immer ist  die Tat in den Köpfen der Menschen aktuell, mit dem Schmerz und dem Unverständnis, wie so etwas Schreckliches passieren konnte. Dennoch mussten wir erleben, dass durch Nachahmung dieser rassistischen Tat weitere Menschen starben.

 

Die Anschläge wurden begünstigt durch eine vergiftete Atmosphäre in der öffentlichen Diskussion, wobei immer wieder pauschal „Ausländer“ und „Türken“ für wirtschaftliche Missstände und soziale Probleme verantwortlich gemacht wurden. Zwanzig Jahre nach der Tragödie in Mölln, ist die gleiche Rhetorik, diesmal im Hinblick auf  „Migranten“ bzw. „Muslime“, sogar in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

 

Jüngste Erkenntnisse aus Studien zur Fremdenfeindlichkeit aber auch im Fall der NSU Terrorakte zeigen, dass bei Verantwortlichen, insbesondere bei Sicherheitskräften und Nachrichtendiensten, die nötigen Lehren aus den Anschlägen von Mölln und Solingen nicht gezogen wurden.

 

Daher sollte diese Gedenkfeier uns ermahnen, neben unserer Trauer und unseren Bittgebeten für die Opfer und Hinterbliebenen in Zukunft genauer hinzuschauen. Fremdenfeindlichkeit, Hass und Rassismus darf keinen Platz in unserer Mitte finden. Das Erinnern soll zu einem gemeinsamen Miteinander in Deutschland, für mehr Toleranz sowie die  Zusammengehörigkeit aller Menschen aus verschiedenen Kulturen führen.

 

Nur durch mehr Menschen- und Nächstenliebe, mehr Fairness gegenüber Schwachen und Benachteiligten, mutiges Zugehen auf Ausgegrenzte sowie Empathie und Redlichkeit gegenüber allen, die anders sind, kann unsere Gesellschaft zusammenwachsen.

 

Die Opfer des Möllner Brandanschlages wollen wir in unsere Gebete einschließen und den betroffenen Familien Kraft und Gottes Beistand wünschen. Möge das unselige Leid von Mölln in Zukunft allen Menschen erspart bleiben.

 

Hamburg, 11.05.2012

DITIB-Nord:   Der Vorstand