Gescheiterter Militärputsch in der Türkei

Die Menschen in der Türkei haben in der Nacht des 15.07.2016 ein Zeichen gesetzt, das in der ganzen Welt Beachtung verdient.  

Sie sind für die Demokratie und die Freiheit eines souveränen Volkswillens auf die Straßen gegangen.   

Sie haben sich der Gewalt und der Willkür in den Weg gestellt.  

Unabhängig von Parteizugehörigkeit oder politischer Gesinnung, unabhängig von ethnischer Herkunft oder religiöser Prägung haben sie das Leben in einer demokratischen und freien Gesellschaft verteidigt.  

Als ein Land, das mehrere Militärregime erlebt hat, wissen die Menschen in der Türkei nur zu gut, dass demokratische Lebensbedingungen und Menschenrechte nicht durch Waffengewalt und Militärdiktaturen erreicht werden können.  

Deshalb haben sie unabhängig von ihrer parteipolitischen Zugehörigkeit sich gemeinsam gegen den Versuch eines Militärputsches zur Wehr gesetzt.  

Dieser Einsatz für den Erhalt ihrer Demokratie hat viele Menschen das Leben gekostet. Viele Menschen sind verletzt worden, wichtige und auch symbolische Einrichtungen des demokratischen Staatswesens, wie das Parlamentsgebäude, wurden durch Angriffe beschädigt.  

Dem Mut und dem Engagement der vielen Menschen, die sich diesen Angriffen widersetzt haben, gilt unsere Wertschätzung. Mögen diese schmerzlichen Erfahrungen in der Türkei ein Leben in noch mehr Freiheit und noch mehr Demokratie ermöglichen. 

Unterschiedliche politische Ansichten dürfen die Menschen nicht trennen oder ihren Sinn für ein demokratisches Gemeinwesen trüben. Weder in der Türkei, noch in Deutschland oder anderswo auf der Welt darf Gewalt als ein Mittel der politischen Auseinandersetzung angewandt oder befürwortet werden.  

Jeder Mensch kann sich nur in einem rechtsstaatlichen und freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen entfalten. Was für uns in Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist, haben Menschen in der Türkei in den vergangenen Stunden verteidigen und behaupten müssen.  

Als islamische Religionsgemeinschaft setzt sich der DITIB Gesamtverband mit all seinen Landesverbänden und Moscheegemeinden in Deutschland für ein Leben in Freiheit, Religionsfreiheit und Gleichberechtigung ein. 

Deshalb erklären auch Menschen hier in Deutschland durch öffentliche Kundgebungen ihre Solidarität mit den Menschen in der Türkei und mit der Demokratie.   

Wir sind mit unseren Gebeten und Fürbitten bei allen, die bei den Ereignissen der vergangenen Stunden Angehörige verloren haben oder Schmerzen erdulden mussten. Wir beten gleichzeitig für alle Menschen, die weltweit unter Militärdiktaturen leiden und sich für ein Leben in Freiheit und Demokratie einsetzen.  

Wir rufen alle politischen, medialen, religiösen und gesellschaftlichen Einrichtungen und Organisationen in Deutschland dazu auf, sich dieser Solidarität anzuschließen. 

 

Sedat Şimşek
Vorstandsvorsitzender