Grußbotschaft zu Weihnachten

Ein Jahr voller Hektik ist an uns vorbeigegangen. Ein Jahr mit schönen und erfreulichen Tagen, aber auch mit Hiobsbotschaften und erschreckenden Enthüllungen.  Sowohl die Adventszeit, als auch die Weihnachtstage, in welche sie mündet, erlauben eine Reflektion sowohl unserer Handlungen im sich dem Ende neigenden Jahr, aber auch über unser Sein und unserer Existenz.

So schauen wir zurück auf die hektischen Tage, die dem Menschen Leistung abverlangen, in denen wir uns der Produktivität als Maß für Wertigkeit verpflichtet fühlen. Dann schauen wir in diesen Tagen um uns und sehen bei unseren christlichen Brüdern und Schwestern eine neue Form der Hektik, welche den Menschen in den Vordergrund stellt. Die Vorbereitung auf das heilige Fest der Christenheit leitet sich mit dieser Verschiebung der Prioritäten ein und mündet schließlich in einer Besinnlichkeit und Ruhe, die dem Menschen auch die Möglichkeit zur Reflektion gibt. Im Kreise der Familie und Freunde wird über Jesus, den auch wir Muslime als Prophet anerkennen und respektieren, über die frohe Botschaft und über das Sein gesprochen, gesungen und reflektiert.

Wir Muslime begleiten die feierlichen Tage unserer Mitmenschen mehr oder weniger intensiv, erfreuen uns an der besinnlichen Atmosphäre, freuen uns mit unseren christlichen Nachbarn und nutzen die Feiertage ebenfalls zum Innehalten. Gemeinsam werden wir uns in diesen Tagen über das Wunder der Schöpfung bewusst. Unser Herr Allah oder Gott bzw. Jahwe, welchen Namen wir ihm auch geben mögen, Er ist der Eine. Er hat aus dem Nichts das Sein erschaffen und uns zu der Krönung der Schöpfung erhoben. Unsere Aufgabe ist es, uns über unser Sein bewusst zu werden und unserem Schöpfer dafür zu danken. Für all seine Gaben und seine Gnade, die uns immer wieder zuteilwird. Das heilige Fest der Weihnacht ist eine  solche Zeit, wo Menschen diesem Bewusstsein am Nächsten kommen.

Wir denken dieser Tage an die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung unseres Herrn und die Angriffe auf diese. Der Mensch und somit auch sein Leben sind heilig. Jeder Angriff auf das Leben eines Einzelnen oder einer Gruppe ist ohne wenn und aber zu verurteilen. Das Jahr 2011 hat uns einmal mehr vor Augen geführt, dass Terror keiner Ethnie oder Religion angehört. Egal welcher Gruppe die Täter angehören, ob sie in einigen Ländern des nahen und fernen Ostens im Namen des Islam bomben und hauptsächlich Muslime töten, oder ob sie in Norwegen im Namen Jesu ein Massenmord an Christen verüben, Hass und ein verwirrter Geist ist ihr Begleiter. Die Opfer, die sie töten oder verletzten sind immer Menschen deren Menschenrecht auf Unversehrtheit des Lebens nicht nur durch den Glauben der monotheistischen Religionen wie Islam und Christentum sondern auch durch die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen und auch durch das Grundgesetz geschützt ist. Egal mit welchen Idealen sich Terroristen rechtfertigen, so missachten und schädigen sie genau diese. Wir verurteilen daher jegliche Form der Gewalt gegen den Menschen. Gleichzeitig verurteilen wir das Wegschauen insbesondere von Verantwortlichen, wie im  jüngst aufgedeckten Skandal um die „Zwickauer Terrorzelle“ bekanntgeworden ist. Acht Menschen mit türkischer, einer mit griechischer und eine Beamtin mit deutscher Abstammung sind den Tätern, deren Motiv und Kaltblütigkeit unverständlich bleiben, zum Opfer gefallen. Wir sind besorgt ob der noch immer unbeantworteten Fragen, die sich um diese Enthüllung auftun. Unsere Sorge wird dadurch gesteigert, dass diese Fragen fast immer mit der Rolle von Behörden und einigen staatlichen Institutionen zusammenhängen. Wir danken für die Anteilnahme insbesondere von Seiten der Politik.  Besonders sei hier Bundespräsident Christian Wulff erwähnt, der sich stets auch für die Opfer einsetzte. Auch der Hamburger Senat hat Vertreter von Migrantenorganisationen eingeladen und lückenlose Aufklärung versprochen.

In der Hoffnung, dass das Jahr 2012, inspiriert von der weihnachtlichen Atmosphäre einen friedvoller beginnen und begleitet von unseren Bittgebeten an unseren Herren, dass das kommende Jahr der Menschheit Frieden und Glückseligkeit bringen möge, wünschen wir unseren christlichen Nachbarn ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr.