Grußbotschaft zur Regaib-Nacht

Am Samstag, den 11. Mai 2013 schrieben wir nach islamischem Kalender den 1. Radschab und sind damit wieder eingetreten in einen besonders segenreichen Zeitabschnitt im Jahr. Denn an diesem Samstag begannen mit dem 1. Radschab dann auch wieder die „gesegneten drei Monate“. Dem Radschab werden folgen in diesen der Scha’ban und der Ramadan. Unser Prophet (saw), wenn der Radschab eintrat, betete wie folgt „O Herr, segne uns den Radschab und den Scha’ban und lass uns noch erreichen den Ramadan.“ Die erste Freitagnacht im Radschab, diesjährig am Donnerstag, den 16. Mai 2013, ist die Regaib-Nacht.

In dieser Nacht werden Gebete und Vergebensersuche besonders erhört und ihnen stattgegeben. Daher auch der Name dieser Nacht: „Regaib“. Er steht in seiner Wortbedeutung für „etwas begehren“ bzw. „reichliche Gnade“.

Die Regaib-Nacht ist die erste der besonderen Nächte in den gesegneten drei Monaten. Sie steht daher für den Beginn dieser, der gesegneten drei Monate und führt uns jedes Mal wieder vor Augen, wie schnell die Zeit und damit das Leben, unsere Lebenszeit vergeht, am Ende derer doch nichts anderes zurück bleiben wird, als unsere Gottesdienste, unsere guten Werke und Wohltaten. All dies lässt sie uns alljährlich erneut erinnern und uns aufrütteln, wenn sie uns dann wieder erreicht, die Regaib-Nacht. So dass wir diese besondere Nacht als Gelegenheit begreifend und diese ergreifend, uns abwenden von den unendlichen Begierden, die uns unsere Triebseele eingibt und ihnen hinterher rennen lässt, auf dass wir mit dieser Bewusstseinserneuerung und erneuten Hinwendung zu unserem Herrn rekapitulieren können den Sinn und Zweck unserer Schöpfung und schließlich uns wieder zuwenden unserem Selbst und unserem Schöpfer.

Begreifend und ergreifend auch die geistig-spirituelle Atmosphäre, in die wir mit den gesegneten drei Monaten getreten sind und in diese getreten zu sein uns über eine unschätzbare Gelegenheit hinaus auch eine Ehre ist, schöpfend von den Quellen des Segens und der Vergebung, die uns diese Atmosphäre auftut, wollen wir einhalten Sünden und Fehler, die wir bisher begangen haben, in Reue von diesen abkehren und unseren Schöpfer aus ganzen Herzen um Vergebung für diese bitten.

Die Technologie mag heutzutage in Windeseile voranschreiten. Auf der anderen Seite, völlig konträr hierzu, nehmen immer mehr ab unsere Beziehungen zu unseren Glaubensgeschwistern und Verwandten. Besondere Nächte wie die Regaib-Nacht sollten wir daher auch immer als Gelegenheit begreifen und uns rückbesinnen auf die Brüderlichkeit zwischen uns Gläubigen, diese wieder vertiefen. Als Angehörige einer Religion der Liebe, der Verbundenheit, der Brüderlichkeit und des Friedens, sollten wir uns Handlungen, die sich gegen die Würde des Menschen, gegen seinen Stolz und seine Persönlichkeit richten - gleich welcher Religion und welcher Herkunft diese auch sind - alle gemeinschaftlich und geschlossen entgegen stellen. Eintreten für und zu etablieren suchen Brüderlichkeit, Einfühlungsvermögen und Eintracht.

Die höchsten Werte im Sinne seiner menschlichen Tugenden hat der Mensch erreicht, wenn er aufrichtig ist, wenn er teilen kann, einhalten und beachten Recht und Ordnung und wenn er schließlich respektiert das, was heilig und damit unantastbar. Diese Tugenden sollten wir alle uns zur Richtschnur machen in unserem Leben. In der Gesellschaft, in der wir leben, gemeinsam mit unseren Brüdern und Schwestern, die den anderen Religionen angehören, in Frieden und Eintracht unserer Einheit und unserem Zusammenhalt beizutragen suchen.

In und mit diesen Gefühlen wünschen wir als Türkisch Islamische Union allen eine gesegnete Regaib-Nacht. Möge die Regaib-Nacht und mögen die gesegneten drei Monate den Muslimen und unseren Landsleuten in Deutschland und weltweit Einheit und Zusammenhalt, ihnen Frieden und Eintracht bringen. Ich wünsche den Muslimen der Welt - und hier allen voran den Opfern von Unterdrückung - eine gesegnete Zeit, in der wieder einkehren Frieden und Eintracht weltweit.

Prof. Dr. Izzet ER
Vorsitzender DITIB-Dachverband