Grußwort zum Ramadan-Fest

Eine innere Zufriedenheit und Dank begleiten uns nun in die Tage des Ramadan-Festes. Innere Zufriedenheit und Dank ob der Gelegenheit, im nunmehr vergangenen Fastenmonat und seiner spirituell-geistigen Atmosphäre uns unserer Dienerschaft erneut bewusst geworden zu sein und dieses Bewusstsein noch mehr gestärkt haben zu können.

In Hamburg brachte der Ramadan dieses Jahr mit der Verkündung eines für Muslime historischen Staatsvertrages ein Novum. Muslime in Hamburg sind erfreut, dass ein  langer Weg sich auf der Zielgeraden befindet, die Muslime in anderen Bundesländern hoffen, dass dieser historische Schritt, der die religiösen Rechte und auch Pflichten der Muslime manifestiert auch in ihren Bundesländern Nachahmung finden wird. Die breite Zustimmung durch mehrere Parteien und insbesondere der evangelischen wie katholischen Kirche unterstreicht die Willkommenskultur unserer weltoffenen und liberalen Stadt Hamburg. Wir  als Muslime sind uns dieser Umarmung bewusst und werden auch in Zukunft weiterhin unseren Beitrag für ein Miteinander leisten.

Der Fastenmonat war uns auch in diesem Jahr wieder Gelegenheit, unsere individuell und gemeinschaftlich verrichteten Gottesdienste zu intensivieren. Das Teilen unserer materiellen Gaben mit Bedürftigen, Freunden und Nachbarn, aber auch das Teilen der vielen spirituellen Momente, unsere Solidarität untereinander und damit unsere geschwisterliche Verbundeheit stärkt uns und unsere Gemeinschaft. Mit dem Veröffentlichung des Staatsvertrages hat diese Solidarität und Geminsamkeit in Hamburg eine neue emotionale Ebene erreicht und unsere Herzen erwärmt. Umso intensiver sind jetzt unsere Gebete für alle Menschen auf der Welt, die von den Gaben Gottes nicht in gleicher Weise profitieren können, wie es uns zuteil wird.

Der Ramadan rief uns unsere Verantwortung wieder in Erinnerung. Er rief uns unsere Freundschaften in Erinnerung, die wir vergaßen, unsere Mitmenschen, die wir fast schon nicht mehr gegrüßt haben und nicht zuletzt die Bedürftigen, denen wir nicht mehr zur Hilfe eilen konnten in ihrer Not. Dies alles hat er uns wieder in Erinnerung gerufen, der Ramadan.

Wir haben für alle Muslime, gebetet in der Welt, die Hunger, Elend und Unterdrückung ausgesetzt sind. Wir haben gleichzeitig alle Menschen, auch die Nichtmuslime in unsere Gebete eingebunden. Erschüttert haben uns dieses Jahr Nachrichten aus Bürgerkriegsgebieten in der islamischen Welt, aber auch Angriffe auf Christen oder andere Menschen haben unsere Herzen schwer und unsere Fürbitten lauter werden lassen. Wo es uns möglich war, haben wir unsere helfende Hand ausgestreckt, versucht, ihnen Beistand zu leisten, durch unsere Gebete, aber auch durch unsere Zuwendungen in Form der Fitra und Zekat.

In der spirituellen Atmosphäre dieses gesegneten Monats haben wir Muslime in Deutschland unsere Iftar-Tische mit unseren Geschwistern im Glauben aber auch mit allen anderen nichtmuslimischen Freunden und Nachbarn geteilt. Das gemeinsame Fastenbrechen vielerorts war uns auch in diesem Jahr wieder eine Gelegenheit, um aufzuzeigen, dass ein auf gegenseitigen Respekt basierendes Zusammenleben in einer multireligiösen Gesellschaft nicht nur möglich, sondern auch eine Freude und Bereicherung ist.

Und nun begehen wir alle das Ramadan-Fest mit den gleichen Gefühlen. Das Fest ist dabei ein Ausdruck unserer Freude über den Lohn, den wir in der spirituellen Atmosphäre des Ramadan mit unserer Geduld und unseren Gottediensten erhalten haben. Diese Freude gilt es zu teilen, nicht nur mit unseren Familien, sondern auch mit unseren Freunden und Nachbarn. Insbesondere sollten wir unseren Kindern die Freuden des Festes und ihre Atmosphäre näher bringen. Spätestens jetzt ist es auch wieder soweit, gebrochene Herzen wieder zu gewinnen, sich der Waisen, der Alleinstehenden, der älteren Menschen, den Gefangenen und Bedürftigen anzunehmen.

In diesen Gefühlen wünschen wir den Muslimen in Deutschland sowie der ganzen islamischen Welt ein gesegnetes Ramadan-Fest. Möge der Zugewinn des Fastenmonats, mögen die spirituell-geistigen und ethischen Errungenschaften, mit denen uns der Ramadan beglückt hat, uns bis zum nächsten Ramadan begleiten und uns unsere spirituelle Welt erleuchten ...

DITIB-Nord