Konferenz zum Thema Pflegefamilien hat großen Zulauf

Zusammen mit dem Jugendamt Hamburg-Harburg und dem Amt für Auslandstürken der Türkei veranstaltete die DITIB im Rahmen des Projektes "Jugendämter: Von Problemzentrierung zu Chancenorientierung" ein Seminar, um Imame und Multiplikatoren über die Arbeit von Jugendämtern zu informieren. Zu der Veranstaltung am Sonntag, den 16. Februar 2014 kamen über hundert Teilnehmer, unter denen neben den Imamen auch zahlreiche Vorstandsmitglieder sowie interessierte aus den Gemeinden von DITIB Nord waren.

Ziel der Seminarreihe ist es, über Multiplikatoren mehr Muslimische Familien zu motivieren, sich als Pflegefamilien zur Verfügung zu stellen, um den Engpass in diesem Bereich zu entlasten. In Hamburg und Umgebung ist die Situation besonders angespannt, wie Dr. Zekeriya Altuğ (Vorsitzender von DITIB Nord) bei seiner Eröffnungsrede betonte. Die Fälle Chantal und Yağmur aus Hamburg hätten nicht nur bundesweites Bewusstsein für das Thema geschaffen, gleichzeitig auch gezeigt, dass es keine Pauschalantworten gibt. Jeder Fall einer Inobhutnahme ist anders und primäres Ziel müsse es sein, den Kindern in solch schweren Situationen beizustehen, so Herr Altuğ weiter: "Daher begrüße ich die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern und bitte alle Teilnehmer, die heute hier teilnehmen, in ihrem Umfeld über das Thema zu informieren."

Zekeriya Bülbül (Attachee für Religion) betonte in seiner Rede, dass es eine Pflicht für jeden Muslim sei, Weisenkindern beizustehen und erklärte, dass Weise in diesem Zusammenhang nicht unbedingt bedeutet, keine Eltern zu haben, sondern auch bedeuten kann, keine Liebe zu erfahren oder anderweitig sich allein zu fühlen.

Der Generalkonsul der Türkei Mehmet Fatih Ak dankte in einer kurzen Ansprache der DITIB für das Engagement auf diesem Gebiet und betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit von Migrantenselbstorganisationen mit den Jugendämtern, um bedürftigen Kindern beizustehen.

Frau Ülkü Yıldırım (Projektleitung) und Frau Hacer Yılgın informierten die Teilnehmer über die Aufgaben des Jugendamtes, den Prozess einer Inobhutnahme und auch darüber, wie man Pflegefamilie werden kann. Die vielen Fragen aus den Reihen der Teilnehmer zeigten das große Interesse für das Thema. Wichtig war den Teilnehmern zu erfahren, ob und wie der Kontakt zu den leiblichen Eltern sich gestaltet, oder ob der kulturelle oder religiöse Hintergrund eines Kindes im Falle einer Inobhutnahme beachtet wird. Hierbei konnten die Referentinnen Frau Yıldırım und Frau Yılgın bestehende Zweifel ausräumen, mussten jedoch einräumen, dass eine kultursensible Unterbringung von Kindern oft dadurch verhindert wird, dass nicht genügend, oder kaum Familien mit muslimischem Hintergrund als Pfelegefamilien zur Verfügung stehen. "Daher ist es umso wichtiger, muslimische Familien als Pflegefamilien zu gewinnen", so lautete dann auch das Fazit von Frau Ülkü Yıldırım am Ende der Veranstaltung, welche gegen 15 Uhr endete.