Pressemitteilung: Anschlag auf jüdische Gemeinde in Pinneberg

Mit Bestürzung haben wir von dem feigen Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in Pinneberg erfahren. Unsere Solidarität und unser Beistand ist mit unseren jüdischen Freunden.

Am Jahrestag der November-Pogrome 1938 wurde das im Jahr 2010 bezogene Gemeindezentrum der jüdischen Gemeinde Ziel eines Anschlages, bei dem die Eingangstür der Gemeinde an mehreren Stellen beschädigt wurde. Obwohl die Hintergründe der Tat noch nicht geklärt werden konnten, gibt besonders der Zeitpunkt Anlass zu höchster Sorge und erinnert uns an dunkelste Zeiten deutscher Geschichte. Es ist nicht schwer zu vermuten, welche Erinnerungen und Befürchtungen dieser Angriff bei der Gemeinde, aber auch bei allen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland auslöst.

Wir fühlen mit unseren jüdischen Freunden. Dem Gemeindeleiter Herrn Seibert, zu dem wir ein herzliches Verhältnis haben und den wir oft an unserer Seite wissen durften, möchten wir sagen: „Wir sind an eurer Seite!“

Es sollte uns zu denken geben, dass in unserem Land Menschen am 75. Jahrestag der Pogromnacht, sich erneut einer Gefahr, einer Drohung ausgesetzt fühlen.

Betrachtet man die Diskussionen der letzten Jahre, sind wir schockiert aber nicht verwundert ob dieses Angriffes oder ähnlicher Angriffe auf andere Gotteshäuser religiöser Minderheiten in Deutschland.

Die abwertende Sprache bei öffentlichen Debatten gegenüber Juden oder Muslime, nicht zuletzt die schrille Debatte über religiös motivierte Beschneidungen und die dabei verwendete ausgrenzende,  gar diskriminierende Sprache, war und ist geeignet, den unterschwelligen Alltagsrassismus zu fördern. Diese Atmosphäre und Diskussionskultur, welche einer kulturhierarchischen Denkweise geschuldet ist, kann zu keinem Miteinander führen und ist geeignet, die gesellschaftliche Polarisierung in unserem Land weiter zu verschärfen.

Deshalb haben wir auch mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, dass die Bürgerinnen und Bürger in Pinneberg mit ihrer Solidaritätskundgebung am Freitag genau dieser Atmosphäre entgegengetreten sind und ein Statement für die Zusammengehörigkeit und gegen Polarisierung gesetzt haben. Auch wir bekunden nochmals unsere Solidarität und schließen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in unsere Gebete ein. Möge dieser Anschlag der letzte bleiben und als ein Weckruf zu mehr Miteinander und Solidarität nicht nur in Pinneberg dienen.

Vorstand DITIB-Nord